Leonberger
FCI – Standard Nr. 145 / 20. 09. 2002 / D
URSPRUNG : Deutschland.
DATUM DER PUBLIKATION
DES GÜLTIGEN ORIGINALSTANDARDS : 04.01.1996.
VERWENDUNG : Wach-,
Begleit- und Familienhund.
KLASSIFIKATION FCI
: Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer,
Molossoide – Schweizer
Sennenhunde.
Sektion 2.2 Molossoide, Berghunde.
Ohne Arbeitsprüfung.
KURZER GESCHICHTLICHER
ABRISS : Ende der dreissiger, Anfang der vierziger Jahre des
19. Jahrhunderts kreuzte Heinrich Essig, Stadtrat in Leonberg
bei Stuttgart, eine schwarzweiße Neufundländerhündin
mit einem sog. „Barry-Rüden“ aus dem Klosterhospiz
Großer St. Bernhard. Später kam zusätzlich ein
Pyrenäen-Berghund dazu. Das Ergebnis waren sehr große
Hunde mit vorwiegend langem, weißem Haar. Essigs Ziel
war ein löwenähnlicher Hund. Der Löwe ist das
Wappentier der Stadt Leonberg.
Die ersten wirklich „Leonberger“ genannten Hunde
wurden 1846 geboren. Sie vereinigten in sich die hervorragenden
Eigenschaften der Ausgangsrassen.
Bereits kurze Zeit später wurden viele dieser Hunde von
Leonberg aus als Statussymbol in die ganze Welt verkauft. Ende
des 19. Jahrhunderts wurde der Leonberger in Baden- Württemberg
vorzugsweise als Bauernhund gehalten. Seine Wach- und Zugeigenschaften
wurden viel gerühmt.
In beiden Weltkriegen und in der Not der Nachkriegszeiten ging
die Zahl der Zuchthunde dramatisch zurück.
Heute ist der Leonberger ein vorzüglicher Familienhund,
der allen Ansprüchen unseres modernen Lebens gerecht wird.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD
: Dem ursprünglichen Verwendungszweck entsprechend ist
der Leonberger ein sehr großer, kräftiger, muskulöser
und doch eleganter Hund. Ihn zeichnen harmonischer Körperbau
und selbstbewußte Ruhe bei durchaus lebhaftem Temperament
aus. Besonders der Rüde ist mächtig und kraftvoll.
WICHTIGE PROPORTIONEN
: Widerristhöhe zur Rumpflänge 9 : 10.
Die Brusttiefe beträgt annähernd 50 % der Widerristhöhe.
VERHALTEN / CHARAKTER
(WESEN) : Als Familienhund ist der Leonberger unter den heutigen
Wohn- und Lebensbedingungen ein angenehmer Partner, der ohne
Schwierigkeiten überallhin mitgenommen werden kann und
der sich durch ausgesprochene Kinderfreundlichkeit auszeichnet.
Er ist weder scheu noch aggressiv. Als Begleithund ist er ein
angenehmer, folgsamer und furchtloser Begleiter in allen Lebenssituationen.
Zur geforderten Wesensfestigkeit gehören insbesondere:
• Selbstsicherheit und souveräne Gelassenheit,
• mittleres Temperament (u.a. auch Spieltrieb),
• Unterordnungsbereitschaft,
• gute Lern- und Merkfähigkeit,
• Lärmunempfindlichkeit.
KOPF :
Er ist im ganzen tiefer als breit und eher langgestreckt als
gedrungen; Verhältnis Fang zu Oberkopf etwa 1 : 1. Die
Haut liegt überall an, keine Stirnfalten.
OBERKOPF :
Schädel : Im Profil und von vorn gesehen wenig gewölbt,
dem Rumpf und den Gliedmaßen entsprechend kräftig,
aber nicht schwer. Der hintere Teil ist nicht wesentlich breiter
als der bei den Augen.
Stop : Klar erkennbar, aber mäßig ausgeprägt.
GESICHTSSCHÄDEL
:
Nasenschwamm : Schwarz.
Fang : Eher lang, nie spitz zulaufend; Nasenrücken
gleichmäßig breit, nie eingesenkt, eher leicht gewölbt
(ramsnasig).
Lefzen : Anliegend, schwarz, Lefzenwinkel geschlossen.
Kiefer / Zähne : Kräftige Kiefer
mit einem perfekten, regelmäßigen und vollständigen
Scherengebiß, wobei die obere Zahnreihe ohne Zwischenraum
über die untere greift und die Zähne senkrecht im
Kiefer stehen, mit 42 gesunden Zähnen gemäß
der Zahnformel (das Fehlen der M3 wird toleriert); Zangengebiß
ist zulässig; im Unterkiefer keine Einschnürung bei
den Eckzähnen.
Backen : Nur wenig entwickelt.
Augen : Hellbraun bis möglichst dunkelbraun,
mittelgroß, oval, weder tiefliegend noch hervortretend,
weder zu eng noch zu weit auseinander stehend; Augenlider anliegend,
keine Bindehaut zeigend; das Weiße des Auges (sichtbarer
Teil der Lederhaut) nicht gerötet.
Ohren : Hoch und nicht weit hinten angesetzt,
hängend, mittelgroß, anliegend, fleischig.
HALS : In
leichtem Bogen ohne Absatz in den Widerrist übergehend;
eher etwas lang als gedrungen; ohne lose Kehlhaut oder Wamme.
KÖRPER
:
Widerrist : Ausgeprägt, besonders beim
Rüden.
Rücken : Stramm, gerade, breit.
Lenden : Breit, kräftig, gut bemuskelt.
Kruppe : Breit, relativ lang, sanft abgerundet,
fließend in den Rutenansatz übergehend, keinesfalls
überbaut.
Brust : Breit, tief, mindestens bis auf Ellenbogenhöhe
reichend, nicht zu tonnenförmig, eher oval.
Untere Profillinie und Bauch : Nur leicht aufgezogen.
RUTE : Sehr
reich behaart, im Stand gerade hängend, auch in der Bewegung
nur leicht aufgebogen und möglichst nicht über die
Verlängerung der Rückenlinie hinausgehend getragen.
GLIEDMASSEN
: Sehr kräftig, insbesondere beim Rüden.
VORDERHAND
: Vorderläufe gerade, parallel und nicht eng gestellt.
Schulter / Oberarm : Lang, schräg gelagert,
miteinander einen nicht zu stumpfen Winkel bildend, gut bemuskelt.
Ellenbogen : Anliegend.
Vordermittelfuß : Kräftig, fest,
von vorn gesehen gerade; von der Seite betrachtet nahezu senkrecht
stehend.
Vorderpfoten : Gerade gestellt (weder ein-
noch auswärts gedreht), rundlich, geschlossen; Zehen gut
gewölbt; schwarze Ballen.
HINTERHAND
: Stellung der Hinterläufe von hinten gesehen
nicht zu eng, parallel; Sprunggelenke und Pfoten weder ein-
noch auswärts gerichtet.
Becken : Schräg liegend.
Oberschenkel : Ziemlich lang, schräg gelagert,
stark bemuskelt. Ober- und Unterschenkel bilden einen deutlichen
Winkel.
Sprunggelenk : Kräftig, deutlicher Winkel
zwischen Unterschenkel und Hintermittelfuß.
Hinterpfoten : Gerade stehend, nur wenig länglich;
Zehen gewölbt; Ballen schwarz.
GANGWERK
: Raumgreifender, gleichmäßiger Bewegungsablauf
in allen Gangarten; ausgreifender Vortritt und guter Schub;
in Schritt und Trab, von vorn und hinten betrachtet, geradlinige
Gliedmaßenführung.
HAARKLEID
:
HAAR : Mittelweich
bis derb, reichlich lang, anliegend, nie gescheitelt; überall
trotz guter Unterwolle noch die Formen des Gebäudes erkennen
lassend; schlicht, leicht gewellt noch gestattet; an Hals und
Brust – besonders beim Rüden – eine Mähne
bildend; deutliche Befederung der Vorder-, ausgeprägte
Hosen an den Hinterläufen.
FARBE : Löwengelb,
rot, rotbraun, auch noch sandfarben (fahlgelb, cremefarbig)
und alle Kombinationen zwischen ihnen, jeweils mit schwarzer
Maske; schwarze Haarspitzen sind zulässig, Schwarz darf
jedoch nicht die Grundfarbe des Hundes bestimmen. Aufhellungen
der Grundfarbe an der Unterseite der Rute, an der Halskrause,
der Befederung der Vorder- und den Hosen der Hinterläufe
dürfen nicht so ausgeprägt sein, daß sie die
Harmonie mit der Hauptfarbe stören. Ein kleiner weißer
Brustfleck oder schmaler Bruststrich und weiße Haare an
den Zehen werden toleriert.
GRÖSSE
:
Widerristhöhe : Rüden 72 – 80 cm, empfohlenes
Mittelmaß 76.
Hündinnen 65 – 75 cm, empfohlenes Mittelmaß
70.
FEHLER :
Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muß
als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis
zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen Einfluss auf
die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes zu beachten ist.
AUSSCHLIESSENDE
FEHLER :
• Scheue und aggressive Hunde.
• Starke anatomische Fehler (z.B. ausgeprägte Kuhhessigkeit,
ausgeprägter Karpfenrücken, starker Senkrücken,
extremes Ausdrehen der Vorderpfoten, absolut ungenügende
Winkel am Schulter-, Ellenbogen-, Knie- oder Sprunggelenk).
• Brauner Nasenschwamm.
• Sehr starker Pigmentverlust an den Lefzen.
• Zahnunterzahl (ausgenommen M3), Vorbiß und Rückbiß,
sonstige Gebißfehler.
• Augen ohne Braunanteil.
• Entropium, Ektropium.
• Starke Ringelrute oder zu hoch geringelte Rute.
• Braune Fußballen.
• Rollhaar oder stark gelockt.
• Fehlfarben (Braun mit brauner Nase und braunen Ballen,
Black & Tan, Schwarz, Silber, Wildfarbe).
• Vollständiges Fehlen der Maske.
• Zuviel Weiß (von den Zehen bis in den Mittelfuß
reichend,
über handgroßer Brustfleck, Weiß an anderen
Stellen).
Hunde, die deutlich
physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen
aufweisen, müssen disqualifiziert werden.
N.B. : Rüden
müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen,
die sich vollständig im Hodensack befinden.