Die
Antwort ist einfach: was Padgett, ein bekannter Genetiker, als
„das Gesetz des Schweigens“ für Züchter
bezeichnet, vielleicht noch besser bekannt als „Omerta“
bei der Cosa Nostra. Beides ist ein tödliches Schweigen.
Die Verbundenheit im Schweigen ist gut zu verstehen, so lange
es dabei um Verbrechen geht, aber welche Gründe kann ein
Züchter haben, um in „Omerta“ zu verharren?
Der
am meisten angeführte Grund für das Verschweigen von
genetischen Informationen ist die Angst, zum Objekt einer „Hexenjagd“
gemacht zu werden. Doch es liegt noch viel tiefer. Es beginnt
mit Besitztum und dem menschlichen Verlangen, das was man besitzt
als das Beste anzusehen. Man erinnere sich an die „Was
der Meier sich leisten kann, kann ich mir auch leisten“-Mentalität.
Jeder möchte das Allerbeste und das Ansehen, weil er das
Allerbeste besitzt. Zuzugeben, dass das was man besitzt oder
gezüchtet hat Fehler haben könnte, ist für die
meisten Leute sehr schwer. Ein Nachteil ist auch die riesige
finanzielle und emotionale Investition, die der Züchter
in seine Hunde steckt. Zu entdecken, dass vielleicht Defekte
in seinen Rüden und Hündinnen stecken, in die man
so viel von sich selbst investiert hat, wird zum Schreckgespenst
und führt bei Vielen dazu, sich schlichtweg zu weigern
auch nur daran zu denken, dass ihre Zuchttiere defekte Gene
haben könnten. Das Ego und die Furcht, als „schlechter
Züchter“ abgestempelt zu werden sind die tieferen
Gründe für die Züchter, an diesem Gesetz des
Schweigens festzuhalten.
Aber
noch viel gefährlicher als dieses Gesetz des Schweigens
ist die Weigerung, in Betracht zu ziehen, dass defekte Gene
in einem Zuchtprogramm existieren könnten und durch Generationen
vorhanden sind, um sich langsam und unbemerkt in die verschiedenen
Blutlinien zu mischen, ehe sie sich schliesslich manifestieren.
Kann es denn möglich sein, dass gesund erscheinende Hunde
in Wirklichkeit gefährliche, manchmal sogar tödliche
Gene innerhalb der Rasse verbreiten, bis schlussendlich zwei
gesunde, aber defekte Gene tragende Tiere zusammengeführt
werden, die dann diesen ersten enttarnenden Nachwuchs zeugen?
Natürlich
ist es das, und immer wieder sagen Genetiker uns, wieso das
so ist. Auf einen einfachen Nenner gebracht heisst es: defekte
Gene kann man nicht sehen, und was man nicht sehen kann ist
auch nicht da. Dieser Logik folgend müssten dann all diese
ungetesteten Hunde innerlich genau so herrlich gesund sein wie
sie äusserlich umwerfend schön sind. Wenn diese Logik
nur wahr wäre! Leider wird viel mehr Wert auf die äusserliche,
augenscheinliche Schönheit gelegt, einfach weil man sie
leicht sieht, erkennt und erreicht. Ausserdem braucht es dazu
keine „unnötigen“ Investitionen. Man braucht
nicht für Röntgenaufnahmen, Blutbilder oder irgend
welche Spezialisten zu bezahlen, um festzustellen, in wie weit
ein Hund dem physischen Standard entspricht.
Die
wirkliche Gefahr kommt aber nicht von diesen Hunden, die getestet
sind, sondern von jenen Züchtern, die ihre Köpfe weiter
in den Sand stecken und sich weigern zu glauben, dass ihre Hunde
nicht so ganz „perfekt“ sind. Wir sind imstande,
das zu bekämpfen, was wir erkennen können, aber das,
was verborgen bleibt, bildet eine Bedrohung für die Zukunft.
Und genau hier ist Omerta, das Gesetz des Schweigens, sehr evident.
Nicht nur, dass sich diese Züchter am Glauben festklammern,
dass ihre Hunde durch defekte Gene, strukturelle Defekte oder
Charakterprobleme nicht belastet sind, sie glauben auch, dass
kein Hund, den sie planen durch Fremdverpaarung in ihr Zuchtprogramm
zu holen, ein Träger sein könnte. Schließlich
"verpaaren sie nur zum Besten" und, ganz klar, dieses
Beste muss einfach vollkommen sein.
Und
nun geschieht das wirkliche Verbrechen. Diese Züchter sind
ziemlich oft sehr erfolgreich im Show-Ring; ihre Tiere werden
als die Besten betrachtet – schliesslich, sie haben Ribbons
und Platzierungen und Titel, die beweisen wie wertvoll ihre
Hunde sind! Aufgrund ihrer Ausstellungserfolge werden sie als
Autoritäten betrachtet, Leute, bei denen Anfänger
Wissen und Informationen suchen. Und die Information, die der
Anfänger bekommt ist, dass es keine genetischen Probleme
gibt, über die man besorgt sein müsste, dass es nicht
nötig ist, dieses „teure Testen machen zu lassen,
wenn doch alle Hunde so gesund seien“. Noch katastrophaler
für die Zukunft der Rasse ist, dass die Geisteshaltung
dieser Züchter nun beginnt abzufärben. Der Anfänger
sieht den Erfolg der Hunde dieser Züchter und kauft sie
(auch wenn nur wenige, wenn überhaupt, die grundlegendsten
Tests für strukturelle Fehler, schwache Gesundheit oder
Gendefekte aufweisen). Somit hat der Anfänger eine finanzielle
und emotionale Investition zu schützen und dies unterstützt
nun das Aufkommen der gleichen Geisteshaltung, mit voraussehbarem
Ergebnis. Bald, weil ja diese Züchter die „treibende
Kraft“ innerhalb der Rasse sind (oftmals Richter, oder
Leute, die auf Seminaren über die Rasse sprechen, oder
Züchter, die beispielgebend für die Preisgestaltung
bei Welpenpreisen und Deckgebühren sind, oder einfach Züchter,
die gewinnen), benutzen sie diese „Macht“, um sicherzustellen,
dass es unethisch ist, über Defekte zu sprechen, sei es
bei der Gesundheit oder im Temperament, in irgend einem Pedigree
ihrer Rüden oder Hündinnen, oder den Nachzuchten ihrer
Rüden und Hündinnen. Allzu oft hört man jemanden
sagen: „Ich kann darüber nicht reden, wenn ich gewinnen
will“ oder „Da gibt es drei Linien mit Epilepsie
(oder Herz oder Augen oder irgend ein Gesundheitsproblem), aber
Du brauchst das gar nicht zu wissen“. Natürlich müssen
wir das wissen, wie sonst sollen wir vernünftige Entscheidungen
treffen, welche Tiere am Besten für die Zukunft taugen,
die wir für unsere Hunde planen, wenn wir nicht nur die
äusserliche Schönheit in Betracht ziehen, sondern
auch die versteckten Gene, die wir doch auch zu verbessern versuchen?
Was
ist mit den Züchtern, die öffentlich über die
Defekte, die man bei ihren Hunden gefunden hat, sprechen? Leider
werden sie nur all zu oft als „schlechte Züchter“
abgestempelt, und ihre Hunde werden „krank“ geredet.
Sie werden ausgestossen und man spricht über sie nur flüsternd
und mit höhnischem Unterton. Schon das Faktum, dass diese
Züchter danach streben, andere offen an ihrem Wissen teilhaben
zu lassen und ihre Tiere wissenschaftlich durchtesten macht
sie zu Objekten von Hexenjagden durch just jene Leute, die entweder
zu geizig, zu uninteressiert, zu egoistisch oder zu sorglos
mit der Zukunft umgehen, um nicht einmal ihre Tiere zu testen
und noch weniger den Mut haben, ehrlich über ihre Tiere
zu sprechen.
Statt
diesen Züchtern Beifall zu spenden, die sich entschieden
haben, Informationen zu teilen, werden diese Züchter ausgestossen
und gejagt. Als ein Resultat, und weil unsere menschliche Natur
uns selbst lieber als Teil einer Gruppe sieht als ausserhalb
der Gruppe, beginnen Züchter das zu tun, was sie am Besten
können – sie schweigen und lügen oder wollen
nicht zugeben, was sie längst wissen.
Indem
immer mehr Anfänger in die Rasse einsteigen und unerfahrene
Züchter und Aussteller auf dieses Karussell des Ausstellens,
Besitzens und Ausübens der Kunst des Züchtens aufspringen,
verwandeln sie sich langsam in jene Züchter, die gewinnen
und das Gewinnen gleichstellen mit außerordentlicher Qualität
der Hunde. Die Züchter sind deshalb noch mehr bemüht,
dass nichts Schlechtes bei einem ihrer Hunde entdeckt werden
könnte, was in ihren Gehirnen die Vorstellung über
die Perfektion der Tiere, die sie züchten, noch mehr vertieft
und zwangsläufig weitere finanzielle und emotionale Investitionen
nach sich zieht, um diese Theorie aufrecht zu erhalten.
Das
Gewinnen von Ausstellungen hat nichts zu tun mit gesunden Genen.
Einige der Siegertiere sind zumindest Träger von genetischen
Störungen und – manchmal - sogar dafür bekannt,
dass sie genetische Gesundheitsstörungen haben. Während
wegen einer genetischen Fehlentwicklung für sich, abhängig
von Typ und Schwere, niemals ein Hund dem Genpool vorenthalten
werden sollte, ist es jedoch absolut unabdingbar, dass die Leute
sich jeder Bedenklichkeit bewusst sind, um intelligent züchten
zu können. Das allermindeste ist, dass die Rüden,
denen eine Hündin zugeführt wird, getestet sind und
ihr Hintergrund sorgfältig durchleuchtet wird, um die Möglichkeit,
noch mehr Hunden zu schaden oder zu Trägern der Fehlentwicklung
zu machen, möglichst gering zu halten. Deshalb, weil die
Sieger ja nicht als „schlechte Züchter“ abgestempelt
werden wollen und den Glorienschein des „der Beste sein“
nicht verlieren wollen (und damit gleichzeitig den wahrscheinlichen
finanziellen Verlust hinnehmen müssten, keine Welpen zu
Höchstpreisen verkaufen oder die höchstmöglichen
Deckgebühren verlangen zu können) kommt das Gesetz
des Schweigens noch mehr zum Tragen.
Die
Anfänger, weil sie ja anerkannt werden möchten, vermeiden
das Reden über jene Deckrüden oder Hündinnen,
die schlechte Würfe produzieren, ob nun in struktureller,
gesundheitlicher oder charakterlicher Hinsicht. Sie haben ja
nun ebenfalls eine finanzielle und emotionale Investition getätigt,
zusätzlich zu dem Wunsch, in den „Olymp der Sieger“
aufgenommen zu werden. Sie könnten sogar Trends in einer
oder mehreren Linien in ihren eigenen Pedigrees feststellen,
sich aber weigern, sich dieser Trends auch bewusst zu werden
und sie somit geheim zu halten aus Angst, abgestempelt zu werden.
Sehr
oft versuchen Züchter, obwohl sie nicht offen zugeben,
dass es irgend welche Probleme gibt, die Möglichkeit, dass
eine genetische Fehlentwicklung plötzlich offensichtlich
wird, durch Auskreuzen zu einer total anderen Linie zu verringern.
Dr. Jarold Bell, ein bekannter Genetiker, sagt zu dieser Methode:
„Das wiederholte Auskreuzen im Versuch, das Vorhandensein
schädlicher rezessiver Gene zu verdünnen, ist keine
wünschenswerte Methode zur Bekämpfung genetisch verursachter
Krankheiten. Rezessive Gene können nicht ausgedünnt
werden, sie sind da oder eben nicht. Das Auskreuzen von Trägern
defekter Gene vervielfältigt und verbreitet den Gendefekt
innerhalb des Genpools. Wenn ein Hund ein bekannter Träger
ist oder sich beim Studium des Stammbaumes als ein hohes Trägerrisiko
herausstellt, kann er aus der Zucht genommen werden und von
ein oder zwei guten Nachkommen ersetzt werden. Dieser Nachwuchs
sollte verpaart und wieder durch eigenen Nachwuchs ersetzt werden,
in der Hoffnung, dass dadurch das defekte Gen verloren geht.“
Leider
lässt das Verleugnen des Vorhandenseins oder Testen auf
genetische Schäden allein diese nicht verschwinden. Dieses
Unsichtbare hat einen grossen Einfluss auf die Rasse, und mit
diesen Trägern von schadhaften Genen weiter zu züchten
erlaubt dem Defekt, sich innerhalb der Rasse fest zu setzen.
Jene Züchter, die hart daran arbeiten, nur gesunde Hunde
zu züchten und jede wissenschaftliche Vorsorgeuntersuchung
durchführen lassen, um die genetische Gesundheit sicher
zu stellen, werden geächtet für ihre Leidenschaft,
die eigentlich Beifall verdient; die Mühen, die sie in
Kauf nehmen, werden bestenfalls verharmlost und oftmals als
„unnötig“ oder „ Angstmacherei“
verhöhnt. Das Resultat ist, dass diese Züchter allein
arbeiten und dass ihre Bemühungen ausserhalb ihres eigenen
Kennels nur sehr wenig Einfluss auf die Rasse als Ganzes haben.
Omerta
kann nur von Leuten gebrochen werden, die den Mut, die Überzeugung
und die Leidenschaft haben, sicher zu stellen, dass die Rasse
als Ganzes stärker und gesünder wird. Statt Hexenjagden
auf jene, die sich schmerzhaft mit den Problemen auseinandersetzen,
sollte es das Ziel jedes Züchtervereins in jedem Land sein,
jene zu fördern, die den Mut und die Entschlossenheit aufbringen,
offen über Probleme zu sprechen.
Zu
den Preisen, die die Züchter mit den meisten Siegertieren
bekommen, sollte es Preise geben für Züchter, die
unermüdlich daran arbeiten, die Rasse zu verbessern. Schönheit
allein verbessert keine Rasse; gesunde Gene und die Fähigkeit,
ein schmerzfreies, gesundes Leben zu leben überwiegt bei
weitem die Schönheit, ist aber viel schwieriger zu erreichen.
Die
Kosten für genetische Tests sind nicht hoch, vergleicht
man sie mit den Folgen, die die Ablehnung zu testen auf die
Rasse haben kann. Fragen Sie jeden erfahrenen Züchter,
dessen Rasse schwerste Herz- oder Blutkrankheiten, Augen- oder
Hüfteprobleme hat, ob sie den Mangel an Vorsorge und die
Ablehnung der vorangegangenen Züchter, eine weitere finanzielle
Investition in der Zucht zu tätigen, für die fast
unüberwindlichen Probleme verantwortlich machen, und die
Antwort ist vorhersagbar. In Grossbritannien kann man bei ausgebildeten
Spezialisten Hüften, Ellbogen, Augen, Herz, Blut, Schäden
des Immunsystems für eine Gesamtinvestition von ungefähr
295,00 Pfund (ca. € 440,00, in USA wesentlich billiger)
testen lassen, das ist viel weniger als ein Welpe kostet oder
eine Deckgebühr. Man kann natürlich auch weniger testen,
aber zu welchem Preis? Soll die Rasse in Zukunft unter Herzproblemen
leiden, bloss wegen eines einfachen 7,50 Pfund Stethoskop-Tests
(durchgeführt durch eine der Rasse-gesponserten Herzkliniken,
in diesem Falle für Boxer), der gerade nicht so wichtig
war? Wird die Rasse in einigen Jahren damit konfrontiert werden,
Blindheit auszumerzen, weil ein 16-Pfund-Augentest durchgeführt
von einer der vielen Augenkliniken, die jedes Monat stattfinden
oder gratis, wenn er bei der jährlich stattfindenden Crufts
Hunde Schau gemacht wird) als nicht aussagekräftig genug
betrachtet wird? Werden die Nachkommen durch schlechte Hüften
und/oder Ellbogen von Schmerzen gequält werden, bloss weil
sich die Ausstellungstiere auf der Show gut machen und für
das blosse Auge nicht dysplastisch erscheinen? (Die Hüft-
und Ellbogen-Röntgenaufnahmen sind die teuersten Tests
und kosten in etwa 110 Pfund [ca. 170 €] für die Hüften
und weitere 80 Pfund [120 €] für die Ellbogen, wenn
sie zusammen mit den Hüften gemacht werden, leider braucht
es sechs verschiedene Filme um die Ellbogen zu beurteilen, und
die Kosten reflektieren die Zahl der benötigten Filme).
Tests für vWD (von Willebrand’sche Krankheit) oder
Schilddrüsentests (Immunsystem) können recht günstig
um 30 – 50 Pfund [45 – 75 €] als Bluttests
gemacht werden. Zugegeben, das Testen auf genetische Schäden
kann keine Garantie sein, dass in zukünftigen Verpaarungen
nicht doch Probleme auftreten, aber es würde die Chance
für das Auftreten doch sehr reduzieren, und das ist schon
sehr viel für den Anfang.
Kann
ein Züchter keinen Beweis in Form von tierärztlich
ausgefertigten Dokumenten oder Befunden dafür erbringen,
dass genetische Tests gemacht worden sind, sollte sich der Käufer
bewusst sein, dass er auf eigenes Risiko kauft! Caveat emptor!
Die Züchter mögen behaupten, dass ihre Tiere niemals
gehinkt haben oder dass es nicht nötig war, irgend etwas
zu testen, weil die Rasse ja so gesund ist. Einige werden sogar
behaupten, dass ihre Tierärzte sagen, das Testen sei unnötig.
Diese Einstellung ist unverantwortlich. Noch einmal: Gene sind
unsichtbar und Träger von schadhaften Genen können
für das blosse Auge völlig gesund erscheinen. Nur
durch Tests können wir wirklich wissen, ob unsere Hunde
betroffen sind oder nicht, und wenn wir ein getestetes und betroffenes
Tier behalten, dann nur unter ehrlicher Auswertung der Stammbäume,
damit das Potential für Trägertiere bewusst ist.
Was
können wir tun, um das tödliche Gesetz des Schweigens
zu durchbrechen? Die Mehrzahl, wenn nicht sogar alle Zuchtvereine
haben einen Ethischen Code, welcher die Mitglieder verpflichtet,
nur gesunde Tiere zu züchten. Diese Vereine sind fürs
erste ein guter Ansatzpunkt. Anstatt soziale Institution oder
„Freunderl-Verein“ zu sein, sollten diese Züchterorganisationen
anfangen, sehr reale Ziele zum Schutz der Zukunft der Rasse
zu verfolgen und verlangen, dass genetische Tests vor Verpaarungen
durchgeführt werden. Weitaus ernster als das Decken einer
16 Monate alten Hündin ist die Praxis, Verpaarungen ohne
Zuhilfenahme jeder nur möglichen Rückversicherung,
dass genetische Gesundheit Priorität hat, durchzuführen.
Bisher wurden in vielen Vereinen „schlechte Züchter“
eher allein durch das Deckalter oder die Deck-Zeitspanne assoziiert
als durch das sehr reale Kriterium, dass der Gesundheitsbeweis
obligatorisch ist. Man nehme die Überbewertung des Gewinnens
– wie viele Clubs wählen ihren „Züchter
des Jahres“ nach der Anzahl des Nachwuchses, der gewonnen
hat? Gibt es Vereine, die wirklich fordern, dass der Züchter
auch den Beweis erbringen muss, alles getan zu haben, um die
Zukunft der Rasse zu sichern?
Wir
können das Schweigen durchbrechen, indem wir jene loben,
die den Mut und die Entschlossenheit haben, über Probleme
zu reden, Erfolge und Wissen kund zu tun, anstatt sie zu ächten.
Omerta geht ins Leere, wenn jeder Welpenkäufer und Deckrüdenbenutzer
verlangt, dass der Beweis für genetische Tests erbracht
wird. Das Gesetz des Schweigens muss scheitern, wenn wir begreifen,
dass es nicht genug ist, Siegertiere zu verpaaren oder die höchsten
Preise für Welpen zu diktieren oder einen Deckrüden
zu haben, der fünfzig, sechzig und hunderte Male benutzt
wird; wir müssen unsere Leidenschaft zurückgewinnen,
mit der wir ursprünglich unsere Rasse erkoren haben und
leidenschaftlich und mit Entschlossenheit an einer Zukunft arbeiten,
in der die Zahl der genetischen Schäden mit jedem Jahr
weniger werden.
Wenn
jene, die Sie kennen, züchten ohne zu Testen, fragen Sie
sich selbst, warum – ist es Mangel an Courage, weil man
vielleicht einen Träger im eigenen Zuchtbestand finden
könnte? Ist es, weil sie vor finanziellem Schaden Angst
haben, wenn sie testen? Ist es, weil sie wirklich glauben, dass
ihre Tiere unmöglich weniger als „perfekt“
sein können? Ist es, weil sie Angst haben, ihr „Spitzenzüchter“-Ansehen
zu verlieren, wenn sie zugeben, dass es Probleme gibt, an denen
man arbeiten muss? Ist es, weil sie fürchten, dass es dann
schwieriger wird, schöne und gesunde Hunde zu züchten?
Oder haben sie, während sie den Weg zum Ausstellungserfolg
erklommen haben, die Leidenschaft verloren, mit der sie die
Rasse zuerst geliebt hatten? Oder, noch trauriger, ist es, weil
sie sich wirklich nicht um das kümmern, was sie nicht sehen
können?